Montag, 3. Oktober 2016

[Verlagsvorstellung] Talawah Verlag - Illustrationen - Janina Robben | Soulhuntress


Heute kommen wir auch schon zum 4. und letzten Teil der Verlagsvorstellung! Was mich natürlich auch etwas traurig macht, weil es mir sehr viel Spaß gemacht hat, euch einen kleinen Einblick ins Verlagswesen zu verschaffen und die Personen vorzustellen, die einfach super wichtig sind, damit ein Buch fertig gestellt werden kann!

Heute habe ich das Vergnügen euch Janina vorstellen zu dürfen. Sie ist Illustratorin und hat unter anderem auch an dem aktuellen Buch des Talawah Verlages "Malakhim - Engelserwachen" von Hawa Mansaray mitgewirkt!



Die Buchmaid: Seit wann bist du Illustratorin und wann hast du 
festgestellt, dass du genau das machen willst?

Janina: Ich arbeite seit 2012 freiberuflich als Illustratorin. Als Kind war ich davon überzeugt, dass ich irgendwann als Künstlerin arbeiten würde - am liebsten als Charakter Designer oder Concept Artist für Filme, Videospiele und Cartoons. Dieses Ziel verfolgte ich auch lange, bis ich meine Berufsausbildung zur staatlich geprüften gestaltungstechnischen Assistentin anfing. In der Berufsschule wurde uns Schülern leider ein sehr negatives Bild auf die kreativen Berufe vermittelt und viele Informationen, die wirklich wichtig gewesen wären (Zusammenstellen eines Portfolios, Vergabe von Nutzungsrechten, Kundenakquise und ähnliches), wurden uns gar nicht vermittelt. Der Frust ging in der Klasse so weit, dass einige meiner Mitschüler nach der Ausbildung keinen Stift mehr in die Hand nehmen wollten.
Auch ich war mir nach der Berufsausbildung eigentlich sicher, dass ich in keinem kreativen Beruf arbeiten möchte, um das Zeichnen nicht als Hobby zu verlieren. So kam es, dass ich Sozialwissenschaften studiert und nach meinem Diplom als Sozialwissenschaftlerin gearbeitet habe. Dass ich dann doch Illustratorin geworden bin, war purer Zufall und großes Glück. Eine Freundin von mir überzeugte mich davon, mich mit meinen Bildern der Redaktion von Ulisses Spiele vorzustellen, da sie gerade Illustratoren für ihr Rollenspiel Das Schwarze Auge suchte. Ich bekam gutes Feedback und konstruktive Kritik zu den Bildern in meinem Portfolio und durfte eine Probezeichnung anfertigen. Während meiner Probearbeit stellte ich fest, wie viel Spaß die Zusammenarbeit mit dem Verlag machte und wie viel Kreativität und Herz hinter den Publikationen steckte. Da war der Groschen für mich gefallen, dass ich doch wieder meinem alten Berufswunsch folgen sollte.


Die Buchmaid: Wie lange brauchst du für deine Arbeit und welche Arbeitsschritte durchläufst du, bis du zufrieden mit dem Ergebnis bist?

Janina: Wie lange ich für meine Zeichnungen brauche, ist ganz unterschiedlich und kann zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen schwanken. Das kommt unter anderem ganz auf das Format und den Detailgrad an und natürlich auch auf den Abgabetermin bei Verlagsaufträgen. Die Vorgehensweise ist aber bei allen Zeichnungen ähnlich. Wenn es eine Auftragszeichnung ist, wird von dem Auftraggeber oft eine Beschreibung des gewünschten Motivs zusammengestellt, an die ich mich halten soll. Für einige Illustrationen müssen dann zuvor Inspirationsmaterial und Referenzen gesucht werden. Referenzen sind z.B. Fotos und Videos von speziellen Posen, Gegenständen, Gebäuden, aber auch Lichtverhältnissen, an denen ich mich für eine realistischere Darstellung orientiere.
Nach dieser Vorarbeit, beginnt erst einmal alles mit einer Skizze, bzw. einem Entwurf. Bei Auftragsarbeiten ist diese Entwurfsphase auch der erste Zeitpunkt, an dem Rücksprache mit dem Auftraggeber gehalten wird und eventuell erste Korrekturen vorgenommen werden. Nachdem die Skizze abgenommen ist, geht es an die Ausarbeitung. Diese kann je nachdem auch weitere Korrekturphasen beinhalten.
Um das Ganze zu veranschaulichen, habe ich einige der Arbeitsschritte aus einer aktuellen schwarz-weiß Illustration festgehalten, die in Hawa Mansarays Roman "Malakhim - Engelserwachen" zum 01.10.2016 beim Talawah Verlag erscheinen wird.
Gewünscht war ein zu dem Thema des Romans passendes Symbol, das als Kapitel-Header verwendet wird. Meine erste Skizze stellte einen stilisierten Engel mit Lilienkopfschmuck dar, um die Kapitelzahl einzubinden, hatte ich dafür einen Kreis unterhalb der Flügel vorgesehen. Nach Absprache mit der Redaktion entschieden wir uns dazu, die Flügel und Schnörkel beizubehalten, aber den Kopf zu entfernen, damit die Illustration leichter wirkt. Da die Lilien dennoch ein schönes Symbol waren, habe ich während der Ausarbeitung überlegt, wo ich sie alternativ unterbringen könnte. Meine Idee war es dann, die Kapitelzahl größer zwischen den Flügeln darzustellen, die Lilien konnten dann den kleinen Kreis ersetzen. Dieser Vorschlag wurde auch angenommen und von mir ausgearbeitet.




Die Buchmaid: Wo holst du dir Inspirationen? 

Janina: Am liebsten aus Büchern, insbesondere Lehrbücher der Kunst, Bildbände und Konzeptzeichnungssammlungen zu Filmen und Videospielen. Aber auch aus Comics, Manga, der freien Natur und Filmen. Manchmal kommt es natürlich auch darauf an, zu was ich Inspiration benötige. Für eine Sci-Fi-Zeichnung mit Cyborgs und außerirdischen Monstern würde ich zu Werken wie Star Wars, Star Trek, Alien, Dead Space und vergleichbaren greifen. Das sind Inspirationsquellen, die beispielsweise für die Illustrationen eines Kinderbuchs über Waldtiere eher ungeeignet wären - wobei das sicherlich ein sehr interessantes Buchprojekt werden könnte.


Die Buchmaid: Was ist dein größter Traum?

Janina: Mein momentaner größter Traum ist es, meinen ersten Manga umzusetzen und zu veröffentlichen. Allzu weit ist die Erfüllung dieses Wunsches auch nicht mehr entfernt, denn das Script steht schon, auch ein großer Teil des Storyboards (grobe Konzeptionierung der Seitenlayouts mit Panels und Szenen). Jetzt müssen die Seiten nur noch fertig gezeichnet und die Sprechblasen eingesetzt werden.


Die Buchmaid: Was war die größte Herausforderung?

Janina: Mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich hatte immer zum Spaß gezeichnet und nur dann, wenn ich dazu Lust hatte. Als Beruf sieht das natürlich ganz anders aus, denn man bekommt oft die Motive vorgeschrieben und muss sich an Deadlines halten. Anfangs hatte ich - auch aufgrund der schlechten Erfahrungen in der Berufsschule - Angst, dass ich dadurch die Lust am Zeichnen verlieren würde, aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.


Die Buchmaid: Hast du ein Lieblingsbuch, was du gerne Illustrieren würdest? 

Janina: Da habe ich sogar mehrere. Neben den Fantasy-Giganten wie "Lord of the Rings" und die "A Song of Ice and Fire" Reihe liebe ich Klassiker wie Bram Stokers Dracula, die Werke von Poe und Lovecraft, Grimms Märchen und griechische Sagen.


Die Buchmaid: Was brauchst du, um gut arbeiten zu können?

Janina: Neben meinem Zeichenmaterial auf jeden Fall Musik! Sie versetzt mich in die richtige Stimmung zum Zeichnen und ist je nach Illustration sehr schön anpassbar. Für kämpferische und actionreiche Szenen höre ich zum Beispiel gerne Rock und Heavy Metall. Ansonsten finden sich für fast jede Situation die passenden Songs und instrumentalen Tracks in Soundtracks von Filmen und Videospielen.
Wichtig sind mir auch konstruktive Kritik und Austausch mit anderen Künstlern, denn nur dadurch kann man noch besser werden.


Die Buchmaid: Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? 

Janina: Im Prinzip habe ich drei Arbeitsplätze. Wenn ich digital arbeite - also mit Photoshop, Adobe Illustrator und Co., sitze ich vorwiegend an meinem Computertisch mit meinem Grafiktabletmonitor von Wacom (Cintiq 24HD).
Für traditionelle Arbeiten mit Bleistift, Tusche und Aquarell habe ich meinen höhenverstellbaren Zeichentisch mit neigbarer Tischplatte.
Der dritte Arbeitsplatz ist sehr flexibel. Mal ist es das Wohnzimmer, mal der Balkon, oder auch ein Park oder Restaurant. Da verwende ich mein Cintiq Companion (Tablet-PC) oder mein Skizzenbuch.


Die Buchmaid: Wo kommen dir die besten Ideen? 

Janina: Meistens sehr spontan und unerwartet. Beispielsweise beim Spazierengehen, beim Treffe mit Freunden, in der Badewanne oder kurz vor dem Einschlafen/Aufwachen. Deswegen habe ich auch immer mein Skizzenbuch in greifbarer Nähe, um die Geistesblitze festzuhalten.


Die Buchmaid: Was sind die Schattenseiten des Illustrierens?

Janina: Wenn man selbstständig als Illustrator arbeitet, wird man natürlich mit den allgemeinen Problemen der Selbstständigkeit konfrontiert.
Freiberuflichkeit bedeutet kein festes, monatliches Einkommen, womit viele Berufskollegen vor allem am Anfang zu kämpfen haben. Deswegen gibt es auch viele Künstler, die nur nebenberuflich zeichnen und sich den Lebensunterhalt mit einem Brötchenjob verdienen. Hinzu kommt hier auch noch, dass Illustration oft - wie jeder künstlerischer Beruf - von vielen potentiellen Kunden nicht als vollwertige Dienstleistung angesehen wird. Resultat sind Preisdumping, schlechte Verträge und sehr fragwürdige Angebote, bei denen man keine Bezahlung, sondern nur "Werbung" von Seiten des Auftraggebers bekommt. Leider gibt es noch einige Künstler, die auf solche Maschen reinfallen und somit ungewollt auch für alle anderen die Einnahmen senken.
Aufgrund von den Abgabeterminen, wird es auch dazu kommen können, dass man mehrere Tage lang an sein Zeichenbrett gebunden ist; auch übers Wochenende und an Abenden, an denen man vielleicht lieber etwas anderes unternehmen würde. Zusätzlich schwierig ist es natürlich dann, wenn man einmal eine knappe Deadline für einen Auftrag hat und die Inspiration einfach nicht kommen möchte. Da hilft oft nur Brainstorming mit anderen kreativen Köpfen.

Das Illustrieren selbst hat keine Schattenseiten, sofern es nicht für Kriegspropaganda oder andere Verblendung missbraucht wird. Illustration ermöglicht es, dem Betrachteter neue Welten zu zeigen, Emotionen zu vermitteln, Geschehnisse zu veranschaulichen, den Leser tiefer in die Geschichte zu entführen oder dient einfach nur um Schönheit in leere Zeilen zu bringen. Illustration kommt nicht umsonst von dem lateinischen illustrare: Wir Illustratoren werfen mit unseren Bildern ein ganz neues Licht auf die Buchseiten.

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